Was bedeutet das denn schon wieder? Natur pur und ein Knick- unsere Ökoinsel wird geschlossen?

Keine Sorge, es geht nur um unsere Wildnis hinterm Haus und mehr Biodiversität.

Und: Natur erleben und was das bei uns bedeutet.

Rund um unsere kleine Ökoinsel gibt es viel Natur zu entdecken: ob an der Ostsee, der Geltinger Birk oder im Naturpark Schlei.

Die Möglichkeiten sind vielfältig. Von Baumriesen, Steilküsten, Mooren, Wildpferden, Schweinswalen oder den Adlern.

Natur…was ist das eigentlich? Was bedeutet Natur pur, wie man so schön sagt?

Bei uns fängt es mit dem vermeintlichen „Unkraut“ schon am Parkplatz an. Früher hab ich mir „einen Kopf gemacht“, wenn Cafégäste schon dort umgedreht sind. Heute weiß ich: es war besser so. Schließlich kann und will ich ihnen nicht „gerecht werden“.

Wir arbeiten nun mal ohne Spritzmittel oder chemische Dünger. Einfach natürlich.

„Iss was bei dir wächst und du wirst das „Unkraut“ mit anderen Augen sehen“ hatte ich mal irgendwo gelesen. Stimmt!

Seitdem gehe ich sehr wachsam durch unseren Garten und die Wildnis hinterm Haus. Hier etwas Giersch, da Brennnesseln… zurzeit ernte ich gerade die Beeren vom Weißdorn und die Hagebutten. Kennt ihr schwarze Hagebutten? Die von der Bibernelle Rose sind so dunkel und geben einen leckeren Saft. Aber beim Pflücken gibts erst mal gefärbte Finger und Dornen. Natur pur eben, die wehrt sich.

Herrlich die Frühstücksgäste mit unseren leckeren wilden Säften und den besonderen Aufstrichen zu verwöhnen.
Schnell sind wir dann im Gespräch, was man alles so ernten und essen kann. Wie man seine Schätze aus der Natur verarbeitet. Über Geschmack und Rezepte und wo man sie findet.

Für mich ist unsere Wildnis ein besonderes Geschenk.

Klar war es betriebswirtschaftlicher Wahnsinn, die Fläche vor mehr als 10 Jahren einfach so der Natur zu überlassen und schauen, was da so passiert. Schließlich wird gutes Ackerland noch bei den Banken anders bewertet als Brachflächen. Ich denke dann immer: mal sehen, wie lange das noch so bleibt.

Wir versiegeln in Deutschland viel zu viel Fläche. Umwidmung nennt man das.

Fläche, die der Natur verloren geht.

Vielleicht kommt irgendwann der Punkt, wenn Flächen nicht mehr gut bewirtschaftet werden können. Oder wenn es rundherum kaum noch Rückzugsmöglichkeiten für Tiere und Pflanzen gibt. Möglich, dass eine Fläche wie unsere dann anders bewertet wird.

Vielleicht wird es dann eine Werteverschiebung geben.

Egal. Wir finden es jetzt sinnvoll und wertvoll, Natur zu erleben und daraus immer neue Produkte zu generieren. Das Schönste dabei ist, dass es eigentlich ohne unser Tun immer schöner wird. Wir lassen die Natur machen und gehen nur ernten. Dabei den Vögeln zuhören oder neue Wege im Dickicht zu entdecken.
Hier ein Versteck, da ein Loch und dort eine Spur… für mich ist das Natur pur.

Bei uns braucht man dazu nicht weit gehen. Es ist einfach hinterm Haus. Was für ein Luxus.

Unsere eigene Insel. Eine Ökoinsel.

Hier kann man Natur hautnah erleben: traurig, wenn der Teich wieder trocken gefallen ist, weil´s zu wenig Regen gab – den 5. Sommer hintereinander.

Dort liegen Federn und da vielleicht sogar Knochen. So ist Natur. Eben manchmal brutal. So wird man damit immer wieder konfrontiert, dass alles seine zwei Seiten hat.

Rein zufällig waren unsere 4 ha übrigens entstanden. Eigentlich hätten wir 12 ha kaufen können, damals 2002 mit dem Hof.

Unvorstellbar für einen Städter.

Lageplan

Was sollen wir denn mit so viel Land? Also zogen wir eine Linie von Knick zu Knick, da wo sowieso das Gelände versprang. So erhielten wir ein 40.000 qm großes, ziemlich quadratisches Gelände direkt hinterm Haus.

Übrigens mussten wir damals Amt für ländliche Räume erklären, was wir mit der Fläche vorhaben. Es handelt sich schließlich um eine landwirtschaftliche Fläche, die nicht bebaut werden soll. Daraus ist die Zeichnung oben entstanden.

Vorne die Hofanlage und dahinter die 40.000 qm. Ich vergess immer wie viele Fußballfelder es umgerechnet sind. Egal.

Seit 2010 hat dort die Natur das Sagen. Es darf wachsen, wie es will. Auch vielleicht die ein oder andere invasive Art, die manchem Naturschützer ein Dorn im Auge ist. Ich denke da an die armenische Brombeere. Aber ich denke, auch das wird sich regeln. Sobald die Bäume hoch genug sind, verschwinden die Brombeeren. Die Natur wird es richten.

Nur der Wall, der diese Verbindung von einem Knick zum anderen Knick schafft, will seit Jahren einfach nicht recht in Gang kommen. Während auf der Fläche schon alles Mögliche an Bäumchen und Sträuchern wächst, passiert dort so gut wie nix. On y soi qui mal i pense. Ich denke, es liegt an der Drift vom Nachbarfeld.

Immer auf der Suche nach Ideen, wie wir die Fläche noch verbessern können, kamen da so einige Ideen hoch: Zauneidechsen auswildern oder Blühwiesen anlegen, zum Beispiel. Das sind gerade zwei Projekte, die in Schleswig Holstein über die Stiftung Naturschutz forciert werden. Ich hatte von beiden Projekten die Fachleute da und was soll ich sagen: Unsere Fläche ist für die Zauneidechsen ohne großen (für mich zu großen) Aufwand nicht geeignet. Mit den Blühwiesen klappt´s  auch nicht so wirklich. Aber das liegt daran, dass hier schon so viel Wiesenpflanzen wachsen.

Ist ja auch irgendwie schön zu hören, dass man schon was Gutes für die Natur bewirkt hat.

Irgendwann habe ich dann von den Heckenrettern gehört.

Hm, die Idee, Heckenfrüchte zu verarbeiten und dann vielleicht sogar als Eis im Café zu verkaufen, gefiel mir. So nahm ich Kontakt mit dem Verein, der in Hamburg seinen Sitz hat, auf. Klar hatte ich mich vorher schlau gemacht und recherchiert. Ich glaube es war sogar Hans von den Ökomelkburen, der mich drauf gebracht hatte. Stimmt, dort hatten wir das Eis probiert. Bei ihm in Lentföhrden haben sie im letzten Jahr auch so einen Knick aufgesetzt.

Die Idee der Heckenretter ist, dass man mit Hecken mehr für die Natur tun kann, als wenn man nur Bäume pflanzt. Hecken sind einfach schneller dicht, bieten Unterschlupf für allerlei Getier. Außerdem sind sie schnell große CO2 Speicher, weil sie schnell und viel Blattwerk entwickeln.

Auch in ihrem Wurzelwerk speichern sie viel CO2.
Sie brechen den Wind und mildern das Klima.
Spannend.

Da ich ja ständig den Betrieb weiter entwickeln möchte- in alle nachhaltigen Richtungen- scheint mir das eine gute Idee.

Wir schließen den Raum unserer Ökoinsel. Wir bauen einfach einen natürlichen Zaun aus Büschen.

170 Meter Knick werden wir jetzt aufsetzen. Im Dezember solls losgehen.

Etwas Geld muss ich noch zusammensammeln für die Pflanzen. (Dank großzügiger Spender ist das erledigt)
Was ich total gut finde, war, dass Alex von den Heckenrettern sich intensiv mit uns und dem Gelände auseinandergesetzt hat. Sie hat sich alles genau angeschaut und unsere Wünsche berücksichtigt.

Hier gefragt, da erklärt.

So möchte ich zum Beispiel möglichst viele Früchte daraus ernten. Stephan denkt dann schon an die Energiekrise und möchte später Holz daraus ernten. Das wird zwar noch etwas dauern, aber auch das ist wichtig für einen Knick: Ein Knick soll dicht sein damit er für die Tierwelt attraktiv ist und seinen Zweck erfüllen kann. Also muss man ihn alle 10-15 Jahre „runter nehmen“.
Sprich alle Büsche müssen geknickt werden. Die Bäume lässt man als „Überhälter“ alle paar Meter stehen. Früher hat man beim Knicken die Äste runtergebogen und in die Erde gedrückt, damit sie neu bewurzeln. Heute wird das selten noch so gemacht.

Wenn ´s gut gemacht wird, werden die Sträucher runter geschnitten und nicht abgesäbelt.

Nebenbei: Knicks sind übrigens typisch und einzigartig für Schleswig Holstein. Weil das so ist, hat man sie als immaterielles Weltkulturerbe bei der Unesco angemeldet. Mal sehen, ob das klappt.

Bis zum Ernten ist es ja noch Zeit.
Erst mal müssen jetzt die Pflanzen auf den Wall.
Das wird bestimmt eine anstrengende Geschichte. Glücklicherweise brauchen wir uns nur um die Verpflegung und Unterkunft zu kümmern. Den Rest organisiert Alex mit den Heckenrettern. Übrigens kann sie immer Freiwillige für so eine Pflanzaktion gebrauchen. Manchmal machen auch Firmen daraus ein Teamevent. Auch cool.

Also auf geht´s zu noch mehr Biodiversität und Natur pur bei uns.

Mit 240 Sträuchern
100 Bäumen

Für Vögel und Insekten. Und vielleicht auch für allerlei andere Tiere.

Letztendlich werden so laut den Berechnungen von Alex 23 Tonnen CO2 gebunden. Im Boden und in der Luft.

Schön dabei zu helfen.

Schade, dass diese Aktion wohl nicht auf unser eigenes „CO2 Minderungs Konto“ einzahlt. Wir lassen ja für unseren Betrieb den CO2 Fußabdruck berechnen und kompensieren den kleinen Rest dann in Projekten. Dazu haben wir uns als Klima Hotel verpflichtet. Wir sehen das als Investition woanders. Damit unsere Maßnahmen für uns gewertet werden könnten, müssten wir das zertifizieren lassen. Das ist mit einem hohen Aufwand und hohen Kosten verbunden ist. Dieses Prozedere ist uns einfach zu aufwendig. Fordert unser Betrieb an sich ja schon genug Bürokratie.

An ein Ökokonto haben wir auch mal gedacht. Aber auch das ist nicht unsere Welt.

Machen wir´s eben für uns, unsere ideellen Werte und die Umwelt.

Genießen wir unsere Ökoinsel.

Übrigens um unsere Natur ganz pur zu erleben, haben wir einige Inseln in unserer kleinen Ökoinsel, die wir freihalten von Sträuchern. Kleine Lichtungen sozusagen. Die waren von alleine entstanden und wir haben sie einfach weiter kurz gehalten.

Hier werden wir im nächsten Jahr unser handgemachtes Frühstück anbieten. Da gibt es dann sozusagen die Wildnis auf dem Tisch im Wildniszimmer.

Natur pur zum Genießen in jeder Beziehung.

Wer Lust hat, das mal auszuprobieren, schaut einfach bei den Terminen und reserviert sich dann einen Tisch.

Und wer mehr wissen will zu unserer Pflanzaktion, meldet sich einfach direkt bei uns.

Ich freu mich schon drauf und hoffe, dass das Wetter einigermaßen mitspielt. Drückt mal die Daumen.

Viele Grüße

Uta aus Janbeck*s FAIRhaus

 

 

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